Die Gegenwart – die Grenze,
zwischen Nichts und Nichts.
Der Augenblick, der
Durchbruch ins Gefängnis
Freiheit! Dort,
wo Ewigkeit die Zeit
durchbricht, ist sie der Zeuge
ihrer selbst.
Und Hermes ist der gute Engel Christus‘
ICH soll ich sagen, doch
was ist der ICH, den ich
nennen soll als Zeugen
meines Ich? Das Kreuz
an das sie IHN geschlagen
das meint mich,
es ist der Ort
der ewigen Wiederkehr.
Gott ist nicht da oben,
er muß hier unten sein,
der Kreuzweg ist ein Schnittpunkt
und ein Hinterhalt.
Gewiß ist nichts
am Kreuzweg, außer
das Bewußtsein meiner Wahl
sagt ich bin ausgeliefert dem Verrat.
Gott ist meine Möglichkeit des Irrtums,
ER stellt mich auf die Probe.
Die Freiheit ist ein Januskopf.
An der nächsten Kreuzung bieg ich
links ein in das Labyrinth.
(Andreas Neu)
Unterwegs zu Fremdheit
zu Reichenau (in Polen heute
gestern Deutschland)
das Eigene geschaut
und gesehen - das Wesen
eine Wunde in der Haut
der verlorenen Heimat
sich selbst vergessend
findest du dich wieder
die Wunde schaut dich an
der Erde Antlitz ruft
nicht nach Vergeltung
(Andreas Neu)
Unterwegs immer noch
aus der Mitte geraten
die Heimat weit weg
gegangen; tot das Kind
mit dem Bade verschüttet
die Frauen am Bahnhof
sind nur für eine Nacht
also geh weiter
da ist ein Vergessen
fort gelebt in
Erinnerung an MORGEN
gestern angekommen
am Anfang
dort
(Andreas Neu)
diskurs führt
uns durchs meer
der sehnsüchte
und treibt
der wind uns
zurück bleibt doch
ein hafen der uns
verlieren lässt
(Butow Maler)
sie war die frau am bahnhof
den nächsten zug, den nächsten
es gibt immer einen nächsten
zug in den man einsteigen kann
die erde ist rund und muß
noch vieles überstehn
weiß nicht wo gott wohnt
das herz ist nur eine pumpe
das blut fließt nur in eine richtung
fahren, fahren, fahren
die ankunft ist nur eine episode
bon voyage
(Andreas Neu)